Ein Tag, der mein Leben veränderte
Es war der 15. August 2006. Nun sind es 20 Jahre her. Eine gar seltsame Sage, über einen besonderen Ort und ein besonderes Datum am Untersberg hatte mich neugierig gemacht. Am Hohen Frauentag sollte sich alle paar Jahre in der Mittagsscharte ein Portal öffnen. Ich ahnte bis dahin, dass die Überlieferungen stets einen wahren Kern besitzen, hatte aber noch keine Ahnung vom Begriff der Landschaftsmythologie. Doch was hatte es mit dieser Sage auf sich, die ich erst später in einer der umfangreichsten Untersbergüberlieferungen von Lazarus Gitschner entdeckte. Unbewusst hatte ich mich auf die Spuren jenes Reichenhaller Stadtschreibergehilfen aus dem 16. Jahrhundert gemacht. Uns verband Bad Reichenhall, die meine Geburtsstadt ist.
Wenn ich dieser Geschichte auf den Grund gehen dürfte, wollte ich dem Berg ein Geschenk mitbringen: einen Steinkreis. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon einige Erfahrungen mit der Steinkreisarbeit gemacht. Für dieses Geschenkt benötigte ich aber Unterstützung und hatte per Social Media zum Mitwandern eingeladen - und jeden Interessierten gebeten, einen Stein aus seiner Heimat mitzubringen.
DIE SUCHE
Am morgen des 15. August fuhren wir mir der Seilbahn auf den Untersberg und stiegen über den Salzburger Hochthron hinüber Richtung Mittagsscharte. Es war kühl, windig und regnete sogar etwas. Am Watzmann zeigte sich Neuschnee.
Aber ich war zuversichtlich. Irgendetwas Unbekanntes wartete auf mich.
DER ABSTIEG
Der steile Abstieg hinunter zur Mittagsscharte forderte Trittsicherheit und Schwindelfreiheit und brachte mich an meine Grenzen. Auch in den Folgejahren war dieser Steig immer wieder eine Herausforderung und manch ein Pilger machte hier Stop und kehrte wieder um. Eine wahrhafte Grenzerfahrung - sogar im doppelten Sinn, da über die Mittagsscharte die Grenze zwischen Österreich und Deutschland verläuft.
DIE MITTAGSSCHARTE
Ich hatte diesen Bergeinschnitt aus meiner Kindheit und Jugend nicht so stark latschenverwachsen in Erinnerung. Wo sollten wir hier einen Platz für ein zu installierendes Medizinrad finden?
Wir wanderten und suchten - und fanden nur Latschen.
Inzwischen waren von Süden (Thomas-Eder-Steig) und vom Norden (Weinsteig) weitere Mitwanderer zu uns gestoßen.
Als wir schließlich zum Kern der Scharte zurückkehrten fanden wir zumindest einen Wiesenhang auf der Ostseite und erwählten diesen zum Installationsort - bis ich am oberen Rand des Hanges stand und auf der anderen Seite einen Höhleneingang entdeckte. Neugierig stieg ich in die Unterwelt ein...
und fand mich in einer Art Felsenkathedrale wieder.
Welch ein wunderbarer Ort, der mich sofort vereinnahmte und rasch war der Beschluss gefasst, unser Steinkreis-Geschenk für den Berg hier in seinem Inneren zu verbauen.
Jeder Besucher/Teilnehmer hatte dazu von seiner Heimat einen großen Stein mitgebracht. Native Medizinräder bestehen oft aus 36 Steinen. Als wir mit der Installation begonnen hatten, stießen letzte Teilnehmer zu uns - und mir wurde bewußt, dass wir nun 36 Menschen waren und jeder hatte seinen Heimatstein dabei.
Welch eine Fügung - welch ein Wunder am Wunderberg.
DAS WETTER
Schon beim Abstieg in die Scharte lichtete sich der graue Himmel etwas. Während der Zeremonie im Berginneren klarte sich der Himmel total auf und unser Rückweg war sonnendurchflutet und warm. Es schien, dass der Berggeist uns beobachtete, das Geschenk annahm und das Wetter transformierte.
DIE ZEREMONIE
Wir stimmten uns ein, setzten einen Marienaltar, sangen das Untersberglied, räucherten, beteten. 36 Steine wurden gesetzt, mit Liedern, Geschichten und Tönen.
Es dauerte von 11 Uhr bis 13 Uhr, danach gingen wir hinaus ins Sonnenlicht...
bis einige zurückgingen in die Unterwelt - und nicht mehr herauszukommen schienen. Ich musste nachsehen und dann sah ich es und staunte:
die Felskathedrale, der Marienaltar und der Steinkreis war in goldenes Licht getaucht. Ich blickte hinauf zur Höhlendecke und von oben schickte Großvater Sonne seine Strahlen durch einen Tagschlot hinunter.
Dies war also der Ort der Erleuchtung, das Dimensionsportal, das Lazarus im 16. Jahrhundert schon gefunden hatte und dadurch in die Geheimnisse des Berges eingeführt wurde.
DER RÜCKWEG
Nach all diesen unglaublichen Erfahrungen schien sich die Zeit zu verändern, zu beschleunigen. Meine Partnerin war vorausgegangen und es schien, dass ich sie nicht einholen konnte bis...
wir den Salzburger Hochthron erreichten.
Ich blickte auf meine Uhr - sie war stehengeblieben. Es war 14 Uhr.
Die Uhr funktionierte einfach nicht mehr.
Meine Zeit stand still und ich fragte meine Partnerin, ob sie meine Frau werden möchte. Sie sagte JA. (Ein Jahr später heirateten wir schamanisch an einem wunderbaren Kraftort in der Natur).
Dieses Erlebnis erfüllte (m)einen Traum und ließ mich eine andere Realität erkennen. Die Landschaftsmythologie wurde für mich ein wegweisender Begriff und schließlich begann mein schriftstellerisches Wirken.
DANKE
