Das Bergmadl

Von den Kasern am Untersberg wird erzählt, dass einst eine junge Frau dort oft gesehen wurde. Sie war stets weiß gekleidet und half den Sennerinnen bei ihrer schweren Arbeit. So holte sie entlaufenes Vieh rasch wieder zurück, bevor ein Unheil geschehen konnte. War einmal eine Sennerin erkrankt, so brachte sie heilende Kräuter. Sogar bei Unwettern und frühem Schneefall wurde sie gerufen und ihre Gebete sorgten nach kurzer Zeit für Wetterbesserung.
Mit dem Kasermandl soll sie gut Freund gewesen sein und brachte ihm stets kleine Geschenke mit.Die junge Frau war als das hilfreiche und gütige Bergmadl bekannt, doch die Menschen im Tal bekamen sie nie zu Gesicht. Manch einer soll des Nächtens auf seinem Weg einer weißen Frau begegnet sein, die ihm einen gehörigen Schrecken einjagte.
Man erzählte sich, dass sie in den Höhlen des Berges lebte und dort unermessliche Schätze bewacht (siehe Foto), die noch nie ein Mensch erblickt hat. Selbst mit dem Drachen am Berg soll sie gesehen worden sein, wie sie mit ihm zusammen durch die Lüfte flog und schließlich am Drachenloch wieder verschwunden sein soll.
Die Kaserleut legten dem Bergmadl aus Dankbarkeit in der Nacht Essen vor die Tür, das am nächsten Morgen immer abgeholt war. An Eingängen zu den Höhlen des Berges stellten sie selber geschnitzte weiße Figuren auf, die so manch Wanderer und Jäger verwundert vorfand und sie nie anrührte.
Erst in späterer Zeit soll das Bergmadl mit den Untersbergmandl gegangen sein.

Foto: Eine Berggeistin, dargestellt auf der Holzdecke im Untersbergstüberl des BPFI Ainring-Mitterfelden