Sprache

Die Sprache der Berge

Diese elementare (Berg-) Sprache wird wohl genauso wenig eine Einheitssprache wie bei uns Menschen sein. Es gibt viele Berichte von Menschen, die „ihren“ Berg tatsächlich rufen hören – in einem Traum oder in einer Vision. Er spricht zu ihnen – zumindest nehmen sie es so wahr. Und sind erst mal schockiert.
Wer glaubt denn heute noch an Geister?
Stimmenhörigkeit? Ein Fall für den Psychiater! Da gibt es „gute“ Medizin und plötzlich sind die Stimmen wieder weg – aber auch die Zufriedenheit, die Neugier aufs Leben, der Mut Neues auszuprobieren.
Also warum schon auf den Ruf eines Felsriesen hören, wenn doch die Medien uns eine bunte schöne Welt vorgaukeln und wir zwischen Krieg und Frieden hin- und herzappen können, wie es uns gefällt, noch dazu ohne großen Aufwand und Risiko.  Einfach so vom Sofa aus.

Dem Ruf eines Berges folgen bedeutet schon etwas mehr Mut, Selbstüberwindung, Abenteuer- und Entdeckungsgeist und Lust auf Veränderung. Wie viele Menschen habe ich schon kennen gelernt, die sich wirklich dazu aufmachten und deren Erkenntnisprozess erst in Gang geraten ist.
Die Sprache verstehen sie noch lange nicht. Manchmal sind es Wortfetzen, meist ohne Sinnzusammenhang und nur das Zulassen der Intuition ermöglicht ein erstes Verstehen.

In einer Zeit des Bewusstseinswandels stehen wir noch ganz am Anfang beim Erkennen der Naturseele und ihrer Sprache. Während der Mensch durch Wissenschaften wie Soziologie, Anthropologie und Psychologie stets tiefere Einblicke in sein Wesen und auch seine Seele bekommt, stehen wir bei der Kommunikation (wieder) mit der Natur und ihren Wesen ganz am Anfang.
Zeitreisen sind leider (noch) nicht möglich, sonst könnten wir bei unseren frühgeschichtlichen Ahnen und Urahnen hinterfragen, wie und warum für sie das Heilige in der Natur der Mittelpunkt ihres Denken und Tuns war. Sie malten noch ihre Verbundenheit mit der Anderswelt auf Felsen und markierten ihre heiligen Orte. Sie überblickten - im wahrsten Sinne des Wortes -  noch die Bergriesen. Und sie sprachen noch mit ihnen und beteten zu ihnen – und ließen die Antworten zu!

Das Gebet wäre ja mal ein Anfang. Eine einfache Sprache im Stillen. Es muss nicht immer der Gipfel sein, der zum Gebet einlädt. Die Gipfel wurden mit ihren Kreuzen schon religiös vereinnahmt.
Eine leise sprudelnde Bergquelle, ein sanft schwingender Baumriese, eine edle Gebirgsblume oder ein heilsames Bergkraut können zum Beginn einer Unterhaltung werden.

Der Gesang ist eine andere kraftvolle Möglichkeit. Im Alpenraum ist das Jodeln teilweise noch recht populär, auch wenn es meist kommerzialisiert und trivialisiert wurde. Doch in seinen Urwurzeln verband es mit den Naturkräften.
Der Betruf ist eine spezielle Art des Gesangs, der heute überwiegend noch auf Schweizer Almen praktiziert wird.
Mit meinem Untersbergbethruf habe ich ihn auf unseren Kultur- und Sprachraum transformiert. Ganz bewusst habe ich die Schreibweise mit „h“ gewählt, denn das Beten entstammt der Verehrung der Drei Bethen (auch Drei Saligen, Drei Jungfrauen, Drei Heiligen Madln), UB_Bethen_Percht_kleinden Priesterinnen der alpinen Urmutter Percht aus matriachalen Zeiten.
Dieser Sprechgesang ähnelt doch sehr den kirchlichen Litaneien, doch ist die Lautstärke seiner Intonation wichtig. Es heißt, je lauter der Bethruf in die 4 Himmelsrichtungen erfolgt, desto stärker ist seine (Schutz-) Wirkung. Er wirkt also als Schutzzauber, bei dem auch das Luftelement mit einbezogen wird.
Zaubern, singen/jodeln und bet(h)en – eine intensive Form der Kommunikation mit den Berggeistern beispielsweise am Eingang zu einer Höhle (zur Unterwelt), an einer Quelle oder auf einem Gipfel. Die Berge besitzen eine eindrucksvolle Art zu antworten – ihr Echo, manchmal sogar mehrfach.

Eine andere Möglichkeit der Antwort mag die Resonanz der (Kraft-)Tierwelt sein oder ein sanfter Windstoß. Manchmal jedoch kann der Berg selber antworten – mit einem Grollen, Brummen, Raunen. Unsere Antennen sollten verfeinert werden, um uns diese wunder-vollen Geschenke wieder zugängig zu machen.
Die alten Bergfexe werden mir zustimmen. Für sie ist es zur Gewohnheit zur worden, bei ihren Bergtouren immer mal wieder in Zwiesprache zu gehen und – ob der Antworten - still vor sich hin zu schmunzeln.

Background1