Marzoll Geschichte

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Pfarrkirche St. Valentin (Marzoll)

Sankt Valentin Marzoll
ist eine Kirche in Bad Reichenhall, im Stadtteil Marzoll. Die Kirche und der Ortsteil wurden zum ersten Mal 789 in den Salzburger Güterverzeichnissen erwähnt.

Zunächst war die Kirche dem Hl. Laurentius geweiht. Später, am 8. September 1142 wurde sie durch den Bischof Hartmann von Brixen dem Heiligen Valentin geweiht.
In den folgenden Jahrhunderten wurden zahlreiche Umbauten und bauliche Veränderungen an der Kirche vorgenommen, bis sie dem heutigen Zustand entsprach.
Die katholische Pfarrkirche in Marzoll, einem Ortsteil von Bad Reichenhall im Landkreis Berchtesgadener Land wird derzeit von der Pfarrei St. Zeno in Bad Reichenhall seelsorglich betreut. Die Kirche "ad Marciolas" wurde im Jahre 790 erstmals urkundlich erwähnt. Ab ungefähr 1140 gehörte sie als Filialkirche zum Augustiner- Chorherrenstift St. Zeno bei Reichenhall. Von etwa 1500 bis in die Zeit der Säkularisation (1803) war die Kirche Ziel einer bedeutenden Wallfahrt zum Heiligen Valentin, dem Patron gegen die Epilepsie und weitere Krankheiten. Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster St. Zeno aufgehoben. Bis 1808 gehörte die Südostecke Bayerns (östlich des Inn) kirchlich zum Erzbistum Salzburg, seither zu München-Freising. Die Erhebung von St. Valentin zur Pfarrkirche erfolgte 1809.

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Die Kirche steht auf einer Anhöhe oberhalb von Schloss Marzoll inmitten des Friedhofs. An Stelle der 790 erwähnten Kirche entstand bis 1142 ein romanischer Neubau, dessen Langhauswände z.T. noch vorhanden sind. Ein Umbau im gotischen Stil, bei dem der Turm mit Spitzhelm und ein neuer Chor errichtet wurden, erfolgte im 15.Jahrhundert. Das heutige Erscheinungsbild des Gotteshauses mit Zwiebelturm und Barockfassade ist das Ergebnis der Barockisierung in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Der Weg ins Innere der Kirche führt durch eine Vorhalle mit prächtigen Grabplatten der Schlossherren aus dem 15. bis 18. Jht. (Familien Fröschl und Lasser). Durch das spätgotische Portal aus der Zeit um 1500 gelangt man in den Innenraum, den unter der Empore ein schmiedeeisernes Gitter von 1650 abschließt. Das Kircheninnere ist geprägt vom Rokokostuck des Salzburgers Benedikt Zöpf von 1748. (Von Zöpf stammen u.a. auch die Stuckarbeiten in der Stiftskirche St. Peter in Salzburg) Anstelle von Deckenfresken hat Zöpf religiöse Symbole aus Stuck in den Umrahmungen angebracht: Das Auge Gottes, ein Jesusmonogramm (JHS) und ein Marienmonogramm. In den Zwickeln finden sich liturgische Gerätschaften, wie Weihrauchfaß, Kelch, Buch usw. Die Verwendung solcher "lebloser" Gegenstände zu Dekorationszwecken verweist bereits auf die Stilepoche des Klassizismus (vergl. Kanzelaufsatz). Den Hochaltar schuf 1729 der Salzburger Hoftischler Simon Thaddäus Baldauf. Die Figuren (1729) der Heiligen Laurentius (links) und Ulrich (rechts) stammen von dem Reichenhaller Bildhauer Johann Schwaiger. Der Hl. Laurentius war ursprünglich der Patron der Kirche, wurde aber später vom Hl. Valentin verdrängt. Die Kombination der beiden Heiligen Laurentius und Ulrich soll auf die Schlacht auf dem Lechfeld zurückgehen. Bischof Ulrich von Augsburg hatte nämlich (laut Überlieferung) im Jahr 955 am Tag des Hl. Laurentius (10. August) die Hunnen vernichtend geschlagen und somit die Gefahr weiterer Einfälle dieser Reiterhorden für immer gebannt. Das Hochaltarbild eines unbekannten Malers um 1780 zeigt den Kirchenpatron Valentin. Zu seinen Füßen ist die Heilung eines Kranken durch ihn dargestellt. In einer Katusche darüber ist der lateinische Text zu lesen: "Heiliger Valentin, Bischof und Märtyrer, Du Heil der Kranken!" Im Auszug ist eine Marienkrönung dargestellt, die im 19. Jht. stark übermalt wurde. Hinter dem Hochaltar befand sich früher ein Käfig für die als Votive geopferten Hühner. An der linken Seitenwand neben dem Hochaltar wurden 1967 spätgotische Wandmalereien freigelegt, die auf ein ehemaliges Sakramentshäuschen an dieser Stelle hinweisen. Am Chorbogen steht rechts eine Plastik des Hl. Valentin von Hans Waldburger aus dem früheren Hochaltar von 1626. (Von Waldburger stammte auch der alte Hochaltar in St. Peter in Salzburg) Das Fehlen von Attributen bei dieser Figur, ebenso wie bei der Darstellung auf dem Hochaltar, wirft die Frage auf, ob es sich dabei tatsächlich um Valentin von Terni handelt. Ikonographisch gesehen könnte es auch Valentin von Rätien sein, da auch dieser bei Epilepsie angerufen wurde. Darüber hinaus hat die Volksfrömmigkeit diese beiden Gestalten im Lauf der Jahrhunderte immer weiter vemischt. In die klassizistischen Seitenaltäre von 1819 wurden die Altarbilder der Vorgängeraltäre aus dem Jahr 1747 übernommen. Sie zeigen links die Hl. Anna inmitten der heiligen Sippe und rechts Antonius von Padua vor Maria, Gott Vater und dem Hl. Geist. Am Chorbogen links steht eine Nachbildung der "Straßburger Madonna" aus dem Jahr 1967. Die Kanzel von 1791 ist im Übergangsstil vom Rokoko zum Klassizismus gestaltet. Ebenfalls an der linken Langhauswand befinden sich zwei Oratorien (Logen) für die Schlossherrschaft. Die großen Kreuzwegbilder an den Wänden schuf der Salzburger Maler Benedikt Werkstätter im Jahr 1750. Die einzelnen Teile der Innenausstattung aus dem frühen Klassizismus sind gut auf die barocke Einrichtung abgestimmt. Daraus ergibt sich ein harmonischer Gesamteindruck.

Quellen
Dr. Walter Brugger, Kirchenführer St. Valentin, Marzoll, 1997.

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