Keltenkontroverse 2

Quelle: Dr. Georg Rohrecker     -       www.diekelten.at/akt-080406-heimatpflege.htm

Reichenhall, Mutter aller Halden?
Nachrichten aus dem alten Bethen-/Berchtesgadener-Land

Das Reichenhaller Tagblatt brachte es zu Ostern 2008 an den Tag (22. März 2008), was dem dortigen Stadtheimatpfleger so durch den Kopf geht, wenn er sich im alten Feuerhaus vor zahlreichem Publikum unter dem Titel „Kultplätze, Kelten und Kometen” den Ursprüngen von Bad Reichenhall widmet. Die (seine?) Literatur zu den Kelten findet der gute Mann „in jeder Buchhandlung ... meist zwischen Feng Shui Ratgebern und Anleitungen zur Fußreflexzonen-massage” (sic!), was vielleicht auch auf seinen gebotenen „seriösen” (sic!) „Überblick der Früh- und Vorgeschichte Reichenhalls” abgefärbt haben mag.

Am Inselberg von Karlstein bei Bad Reichenhall soll alles angefangen haben. „Er war praktisch das Tor in eine andere Welt, nämlich in den ostalpinen Raum ... Jeder der dorthin wollte, musste hier vorbei.” Na ja! Von der „anderen”, der „Anders-Welt” der Kelten haben wir andere Vorstellungen – und von seriösen Zugängen zu ihr oder den (eher wenig seriös einge-schränkten) Toren zum „ostalpinen Raum” auch! - Geschenkt!

Doch apropos Tore(n): Dem zwischen Karlstein und Reichenhall entspross auch noch ein mit Feng Shui und Reflexzonen nicht wirklich erklärbares Menschenloch, eine Art historisches Bermudadreieck, das sich auch nicht dem dominanten Anderswelthort Untersberg und seinem wundersamen Schatten in die Schuhe schieben läßt: „Um das Jahr 400 v.Chr. verschwinden ... plötzlich alle Hinweise von Siedlern in Reichenhall” – und das für fast dreihundert Jahre! (Da bleibt dir ja die Breze im Hals stecken!) „Erst 120 vor Christus kommt ’wieder Licht ins Reichenhaller Tal’, die Kelten lassen sich auf ihrem Rückzug vom Mittelmeer (sic!) am Fuße des Pankrazfelsen (Karlstein) nieder und beleben den Salzabbau.”

Immerhin gibt’s ab dieser Zeit italophile Kelten in Reichenhall, denen bald die antiken Römer folgen, um endlich ihre Kultur zu bringen. Doch es kommt noch dicker – und dazu können sich nicht nur die Halleiner unter und am Dürrnberg, sondern insbesondere die Hallstätter gefälligst warm anziehen: „Erst mit dem Einzug der Bajuwaren taucht erstmals die Bezeichnung ’Hall’ auf”. „Dieser Name steht nicht für Salz, sondern bezeichnet einen geneigten Hang, in dem Bergbau betrieben wird ... Und alle anderen Ortsnamen mit Hall haben in erst in Anlehnung an Bad Reichenhall bekommen”!

So schaut’s aus! Nach diesem gepflegten Machtwort aus Reichenhall gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder stampfen wir ab sofort den Begriff „Hallstattzeit” ein bzw. werfen ihn auf die Abraum-Halde in Reichenhall, oder wir legen uns einen geneigten Hang zu, die (einst keltische) bajuwarische Heimat langmütig auch von jenen „pflegen” zu lassen, die dafür partout zwischen Feng Shui und Fußreflexzonen suchen. - Oder Sie schlagen lieber doch bei uns nach unter Hallstatt/Hallein oder (zur Abschreckung) bei diversen Blüten der Ortsnamendeuterei!

 

 

 

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