Ettenberg

“In allen katholischen Ländern - auch außerhalb der Alpen - treffen wir zahlreiche Volksüberlieferungen, die sich auf die Erscheinung eines Marienbildes an einem Baum beziehen. Nicht selten steht damit auch ein Brunnen oder eine Quelle in Verbindung. Häufig scheint es sich dabei um eine ehemalige heidnische Kultstätte oder ein Baumheiligtum zu handeln. Solche Örtlichkeiten hielt die Kirche im frühen Mittelalter aus begreiflichen Gründen ständig unter Kontrolle.”
Quelle: Das Salzburger Sagenbuch - Josef Brettenthaler, Matthias Laireiter - Verlag der Salzburger Druckerei, 1976, S.215

Maria_Ettenberg_mit_UntersbergMaria Ettenberg ist nicht nur ein bedeutender Wallfahrtsort, er ist - nach Erkenntnissen der Matriachatsforscherin Dr. Heide Göttner-Abendroth ein Teil der Liegenden Göttin. Die Linde ist nach der Überlieferung der eigentlichen Kraftort.
Auszüge aus der Ettenberg-Sage:
In alten heidnischen Zeiten vor vielen hundert Jahren (...)
Da erschien ihm eines Nachts eine schöne Frau in seltsamen Gewändern und schimmernde lange Haare (...)
(...) Auch andere Wunder geschahen daselbst (...)
(...)  die Richter glaubten heraus zu erkennen, daß er unter dem Schutze der Göttin des Berges stand (...)
In noch feierlicherer Prozession pilgerten sie wieder zu der Linde, holten das Bild und stellten es wieder in der Kirche auf. Aber am nächsten Morgen war es abermals verschwunden und stand wieder an seinem alten Platz auf der Linde. (...)


In der Sage wird von einem Gerichtsverfahren berichtet. Die Linde mag also früher eine Gerichtslinde gewesen sein und in noch früheren Zeiten ein heiliger Baum des Volkes. Bezeichnenderweise wird heute im Rahmen einer Wallfahrt das Annafest zu ihren Füßen gefeiert, an dem wieder eine heilige Frau im (christlichen) Mittelpunkt steht.
Deckengemälde_Maria_EttenbergIn der Liegenden Göttin befindet sich der Baum im Oberleib, im Bauch. Die Linde galt bei den Germanen als göttlicher Friedensbaum und war ihrer Göttin Freya geweiht.
Die Linde von Ettenberg ist somit der verlängerte Nabel der Göttin - eine besondere Form der Verbindung von Erde (Erdmutter) und Kosmos.
Während viele Ettenberg-Liebhaber das Deckenfresko in der Kirche mit der eigenartigen Herzstrahlspiegelung als Mysterium betrachten, ist jedoch die riesenhafte  Darstellung des Christopherus mit dem Jesuskind das einstige Geheimnis der christlichen Umformung der landschaftsmythologischen Gegebenheiten:
es ist der Riese Abfalter - der Heros der Göttin - der seine Göttin auf Händen trägt und beschützt, wie es in der Abfalter-Sage überliefert wird.
Vor dem Mesnerwirt steht eine Steinfigur eines Untersbergmandls. Der Zwerg posiert somit wenige Meter neben dem Riesen in der Kirche.Ettenberg_Untersbergmandl klein


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