Der Berg ruft

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DER BERG RUFT.
DER heilige Berg unserer Bioregion ruft uns – am 15. August 2008:
Der Untersberg lädt uns ein, einen mythisch-mystischen Weg zur Mittagsscharte zu beschreiten.

Viele Berge sind heilig, doch erst manche geben sich wieder als solche für uns zu erkennen. Gerade bereite ich meinen Vortrag über den „Mythos Falkenstein“ vor, mit dem ich im nächsten Monat die 3. Staffel meiner Vortragsreihe Heimatwege beginne. Der Falkenstein hat seine Bedeutung nie verloren. Aus dem uralten Steinkultweg wurde ein christlicher Pilgerweg, der aber nirgends seinen wahren Ursprung verleugnen kann. Auch der Gaisberg bei Salzburg gehört zu jenen besonderen Bergen – oder auch der Predigtstuhl bei Bad Reichenhall, der durch das Projekt „Riesenchristusstatue“ in die Schlagzeilen geraten ist. Ich denke, der Bau einer beabsichtigten ökumenischen Kapelle wird wohl eher Realisierung und Zuspruch finden. Die Obertöne (siehe Chris Amrhein) haben dort zumindest schon Einzug gehalten.
Die Schlagzeilen rund um den Untersberg reißen in diesen Tagen allerdings auch nicht ab: nach dem „Wunder vom Untersberg“ im Juni, der Klangwolke für Tibet im Mai, häufen sich Bergunfälle und weisen auf seine Macht und seine Gefahren hin. Kürzlich berichtete der Berchtesgadener Anzeiger von einer neuen Rekordhöhlentiefe, am Untersberg: Höhlenforscher haben in einer fünftägigen Expedition über 1000 Meter Höhlentiefe (!) erreicht – somit wurde fast das Talniveau im Berginneren erreicht.
Der Untersberg ist ein Berg der Unterwelt – daher auch sein Namensursprung, aber auch der Ahnenwelt, die dort existiert.

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Zu Beginn des sogenannten „Frauendreissgers„ wollen wir uns auf und in den Wunderberg begeben.
Am 15. August – dem hohen Frauentag – Maria Himmelfahrt.
Der Tag der Kräuterweihe. An diesem Tag werden nicht nur die geernteten Kräuter christlich geweiht, ab diesem Tag werden sie in den folgenden 30 Tagen noch eingebracht.
Diese Periode endet mit dem Festtag der heiligen Drei Jungfrauen – dem 16. September.
Zitat Keltenexperte Dr. Georg Rohrecker:
Bis 1968 hatten die keltischen Drei Bethen sogar hochoffiziell einen fixen Platz im römisch-katholischen Heiligenkalender: am 16. September!
Und sie dürfen bis heute von Bayern bis (Süd-) Tirol viele Kirchen über alten Bethen-Kultplätzen schmücken
Noch heute wird dieser Tag im Südtiroler Bergdorf Meransen zu einem Umzug zu ihren Ehren genutzt!
Die Drei Bethen – Ambeth, Wilbeth, Borbeth – wurden christianisiert zu den heiligen Drei Madln „Margaretha, Barbara, Katharina“. Die Muttergöttin Ambeth wurde zu Margaretha bzw. zur Muttergottes Maria. (nachzulesen bei G. Rohrecker, Erni Kutter, Inge Resch-Rauter).
15. August bis 16. September – eine uralte alpine heilige Zeit – der Frauendreissger, vergleichbar den 12 Rauhnächten. Und somit ein besonderer Festtag im wiedererwachenden alten Wissen um die Bedeutung unserer alpinen Kräuter.
Ist das heidnisches Denken, alpenschamanisches Denken? Ich lehne es ab, dies zu „klassifizieren“. Es ist ein Stück Bewusstwerden unserer vorchristlichen Wurzeln.
Am 15. August wollen wir also zu Ehren der Muttergottheit und des großen Berggeistes vom Untersberg feiern und unsere geernteten Kräuter vom ihnen weihen lassen. An einem magischen Ort: in einer Höhle, in der legendären Mittagsscharte am Untersberg – dem „Steiernen Kaser“.
Achtung:
Dieser Weg setzt Trittsicherheit und Schwindelfreiheit voraus!
Alpine Ausrüstung und Bekleidung ist notwendig!
Empflehenswert: Taschenlampe, Kerzen, Trommeln, Rasseln.
Achtung: am Weg gibt es keine Quelle – bitte genügend Flüssigkeit mitnehmen.
Ihr geht diesen Weg auf eigene Verantwortung und Gefahr!

Treffpunkt: Talstation Untersbergseilbahn                         Infos zur Untersbergseilbahn
Treffzeit: 8:45 Uhr   (erste Auffahrt um 9:00 Uhr)
Rückkehr bzw. letzte Talfahrt: 17:30 Uhr
Wer den Berg zu Fuß vom Tal aus besteigen möchte:
Treffzeit Mittagsscharte: 11:00 Uhr
Aufenthalt in der Mittagsscharte ca. 2-3 Stunden

Von der Bergstation führt uns der Weg vorbei am Salzburger Hochthron, den wir erst am Rückkehr noch besteigen können.
Schon bald können wir auf die Krafttiere des Berges stoßen: die Gemsen.
Raben und Bergdohlen begleiten uns über das Hochplateau.
„Solange noch die Raben um den Untersberg fliegen ...“ heißt es in der Kaiser Karl-Sage. Und in diesem Bewusstsein einer sich verändernden Zeit „pilgern“ wir Richtung Mittagsscharte. Wir befinden uns schon in jener mysteriösen トanderen Zeit-Zoneモ, die am Salzburger Hochthron ansetzt und sich ins Tal hinunter zieht. Doch wir haben genügend Zeit mitgenommen.
Nach einer Stunde stehen wir am Abstieg zur Mittagsscharte. Ab hier ist unsere ganze Aufmerksamkeit und Kraft für den steilen Abstieg gefordert. Stilles gehen – in sich gehen, den Berggeist wahrnehmen, im festen Tritt auf Mutter Erde.
Vielleicht erscheint nun der König der Lüfte, der Adler. Adler und Geier haben bereits seit einigen Jahren den Untersberg wiederentdeckt. Ihr Anblick gehört zu den Höhepunkten dieser Bergtour.
Nach ca. 1,5 Stunden haben wir die Sohle der Mittagsscharte erreicht. Über die Bedeutung jener riesigen Einkerbung des Berges empfehle ich auf unserer Untersberg-Seite nachzulesen.
Auf der Wiese vor der Höhle rasten wir und machen Brotzeit. Wir können einen ersten Blick in die – noch dunkle - Höhle werfen.
Nach entsprechender ritueller Vorbereitung und einem kraftvollen Jodler steigen wir um die Mittagszeit hinein – gehen in die Dunkelheit.
Wir begeben uns an den Steinkreis im Höhlenzentrum, entzünden mitgebrachte Kerzen, räuchern, trommeln, singen.
Wir übergeben unsere Kräuter dem Steinkreis – lassen sie weihen und segnen vom Berggeist und der Muttergottheit.
Zeit für den Andachtsjodler und das Untersberglied.
Wir erleben das Lichtwunder in der Höhle, wenn zur Mittagszeit die Sonne über den Tagschlot in die Höhle scheint und aus dem Dämmerlicht ein warmes goldenes Licht erstrahlt. Der Himmel verbindet sich mit der Erde – mit dem Berg.
Dies sind Momente die berühren, die verändern können – die transformieren. Ihr seid mit dem Herzchakra der Erde verbunden.
Ein kleines Dankesopfer ist angebracht – ein besonderer Stein, ein paar Kräuter... was auch immer ihr mit Herzen dort lassen wollt.
Wir verlassen die Höhle – werden wiedergeboren, gehen vom goldenen Herzens-Licht zurück in die warme Sommersonne.
Der steile Anstieg aus der Mittagsscharte hinauf Richtung Salzburger Hochthron fordert noch einmal absolute Achtsamkeit.
Wir lassen die „andere Zeit“ zurück – kehren zurück in die alltägliche Wirklichkeit, die uns spätestens an der Hochalm kurz vor der Bergstation wieder eingeholt hat. Dort rasten wir noch einmal und überlegen, was wir gerade erlebt haben.

Anmerkungen:

Am Vortag – also dem 14. August – findet die christliche Untersbergwallfahrt mit Pfarrer Herbert Josef Schmatzberger statt.
An diesem Tag wird der Untersberg in einer Wallfahrt – beginnend um 4 Uhr von Großgmain – umrundet. Weitere Infos bei der Pfarre Großgmain!
Der Untersberg steht also in diesen Tagen im Zentrum spirituellen Geschehens und jeder mag sich entscheiden, wo es ihn hinzieht:
zu den mythischen Untersbergkirchen mit dem Untersbergpfarrer
oder auf den Spuren des Adlers und des Berggeistes mit uns.

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